Buchmalereien sprechen den Betrachter an

Mittelalterliche Stundenbücher waren Gebetbücher adliger und/oder betuchter Leute. An besonderen religiösen Festen benutzte die Herrschaft sie zum Beten, um ähnlich wie die Kleriker Brevier zu beten. Dadurch nahmen sie sozusagen am Gebetsdienst der Kirche teil. Der Gebets- und Lesungsteil enthielt immer die Haupt-Horen, also die morgendliche Laudes und die Abendliche Vesper.
Manche Reiche und Bibliophile ließen für sich oder als Geschenk diese mittelalterlichen Handschriften prächtig mit Bildern illumisieren, damit das Auge beim Beten auch etwas zu sehen bekam. Eine Bildmeditation sollte die Gedanken in die „richtige“ Richtung lenken. So konnte man selbst beim Beten und Meditieren linientreu bleiben.
Nun lässt sich der menschliche Geist bekanntlich nicht gerne einschnüren. Und so konnte es vorkommen, dass der Beter der Texte und Betrachter der Bilder „anders“ dachte, als er sollte. Manchmal kamen die weiblichen Beter auf noch andere Gedanken als die Kerls unter den Frommen.
Mögliche Gedankenwelten sind in diesem PDF (3,2 MB) dargestellt.

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